martedì 27 maggio 2008

Kurze Betrachtung über italienische und deutsche Sprachverwendung.

von Leonardo Ronchetti

Generelles über die Sprache.

Die Sprache ist die Dimension, in der sich die meisten Aspekte des sozialen Zusammenlebens der Menschen abspielen. Sie vermittelt Vorstellungen, Erwartungen und die Mentalität der einzelnen Kulturen. In diesem Sinn ist es wichtig, sich bewusst zu machen, wie die Sprachverwendung sich bei den verschiedenen Kulturen unterscheidet, damit unser Beitrag zu der Kommunikation treffend sein kann.

Dieser kurze Text bezieht sich auf die persönliche Erfahrung, die ich in verschiedenen Sprachkontexten gemacht habe (in Deutschland und in Italien), und auf einige gezielte Fragen, die ich deutschen jungen Leuten gestellt habe.
Das Ergebnis dieser Arbeit bringt eine gewisse Synthese und Generalisierung der Aspekte, die das Thema Sprachverwendung in Italien betreffen. Trotzdem schätze ich, dass diese Betrachtung ein interessanter (und vielleicht auch witziger) Bezugspunkt für deutsche Studenten bei ihrem Aufenthalt in Italien sein könnte.

High Context.

Dieser Begriff stammt aus dem Fachgebiet der Soziologie, und hilft mir dabei, die formale Ebene der Sprache in Italien zu beschreiben.
Italiener stützen sich meistens bei ihrem Umgang mit Unbekannten oder mit Personen, von denen sie gelegentlich oder ständig abhängig sind (z.B. Arbeitgeber), auf eine groβzügige Verwendung von Wörtern und Floskeln, die nicht direkt ihre Kommunikationszwecke verrät. Das ist quasi ein Zwangsverfahren, das dazu dient, einen gemeinsamen Ausgangspunkt in der Unterhaltung zu ermöglichen, auf dessen Basis die eigenen Interessen, Fragen, Meinungen u.s.w. ausgedrückt werden können.
Auf der Grundlage dieses „High Context“ können dann individuelle Erwartungen und Einschätzungen herausgefiltert werden.
Insgesamt bedeutet das: „Ich weiβ, wo ich bin und mit wem ich zu tun habe, und das muss ich zu verstehen geben“.
Dagegen haben die meisten deutschen Sprachkontexte so etwas nicht nötig; die Deutschen sind nämlich direkter in ihren Äuβerungen, auch wenn sie mit Unbekannten zu tun haben.
Dieser Punkt will deutsche Studenten darauf aufmerksam machen, dass sie in Italien sich manchmal fusselig reden müssen, um als seriöse und nette Gesprächspartner berücksichtigt zu werden.

Überschreitung des Inhaltes. Spaβ haben, Selbstdarstellung und Austausch von Freundschaftssignalen.

Was für Informationen werden in einem umgangssprachlichen Kontext oder in einem Freundeskreis ausgetauscht?
Die deutsche Sprache hat die spezielle Eigenschaft, viele Dinge schnell
und klar nennen zu können. Es wird hauptsächlich Wert auf die Bedeutung
des Inhaltes des Gesprächs gelegt und tendenziell wird ganz gut aufgepasst
auf das, was gesagt wird (selbst wenn man mit Freunden zu tun hat), um
durch eine richtige Wortauswahl sich gut verständlich zu machen. Dabei
hilft auch di Tendenz, den Gesprächspartner nicht zu unterbrechen, und
das Warten, dass er seine Rede zu Ende führt, bevor man auch etwas
sagen will.

In Italien spielt der Inhalt, dieses Mal in einem informalen Kontext, keine
so wichtige Rolle. Es geht mehr darum, die Aufmerksamkeit des
Gesprächspartner zu gewinnen. In diesem Sinn werden von dem Sprecher
Signale verwendet, die ihn als interessante Person kennzeichnet. Der
Zuhörer fühlt sich dabei herausgefordert, auch seine Stimme einzusetzen,
um zu zeigen, wie er auch interessant sein kann.
Eigentlich ist das spontane Sprachverhalten im italienischen „Low
Context“ sehr änlich wie bei den Strukturen der Sprachverwendung im
High Context. Das passiert, weil selbst die Unterhaltung mit Freunden und
Bekannten oft ritualisiert wird, in diesem Fall durch einen Austausch von
einem homogenen Mix aus Agressivitäts-und-Freundschaftssignalen.
Durch eine agressive und unterbrechende Rede lässt sich oft die Qualität
der Aufmerksamkeit des Sprechers in Bezug auf den Gesprachspartner
messen, ohne dass man die Grenze des Respekts überschreitet.
Die Sprachverwendung im italienischen Low Context ist also direkt,
vermittelt aber Informationen, die sich besonders auf die Verbundenheit
zwischen den Gesprächspartnern konzentrieren.
Die Übereinstimmung von Informationen und Inhalt, die so oft in
deutschen Sprachkontexten vorkommt, ist in mehreren italienischen
informalen Sprachkontexten nicht zu erkennen.
Deshalb möchte ich den deutschen Studenten in Italien folgenden Rat
geben: Lasst eure Stimme hören und wartet nicht immer, dass ihr dran
seid, sonst werdet ihr auch keinen Raum für eure Ausdrucksfähigkeit
finden!

Stille und Schweigen: „da stimmt was nicht“.

Die „Angst vor der Leere“ in den meisten italienischen Sprachkontexten
ist der Grund für die Entwicklung von Bedeutungen, die das Schweigen
als einen Störfall in der Kommunikation interpretieren.
Das führt oft zu Verlegenheitsgefuhlen.

Geschlechtssprache.

Was bei der Befragung deutscher Studentinnen aufgetaucht ist, die in
Italien eine Zeit lang verbracht haben, ist das Gefühl, manchmal von der
Kommunikation ausgeschlossen gewesen zu sein. Das passiert vor allem,
wenn sie mit Männern zu tun haben.
Das erklärt sich auch dadurch, dass italienische Freundschaftskreise oft
nicht gemischt sind, und weil man glaubt, dass zwischen den
Geschlechtern viele Interessen bestehen, die nicht zu teilen sind.
Vielleicht sind deutsche Frauen heutzutage in der Lage, durch ihren
Einsatz in der italienischen Kommunikation, aber frei von den
Hemmungen der italienischen Kultur, den Italienern was beibringen zu
können, das sie in ihrem Kommunikationsverhalten flexibler machen wird. Hoffentlich!


Ronchetti Leonardo

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